 |  | Letzte Aktualisierung25. Februar 2011 |  | |
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200 Seiten fest gebunden für nur 9,99 €
Eine Geschichte die das Leben schrieb.
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MEIN BUCH "Verliebt, verlobt, vergiftet"
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Über meine damalige Krankheit Meine
Erkrankung begann ursprünglich mit einer Vergiftungssymptomatik durch
den Einsatz von Pestiziden im Haus. Ich hatte 1992 erstmals ein
Spritzmittel gegen Katzenflöhe eingesetzt, das Permethrin und
Deltamethrin enthielt. Angeblich sollte es nur für Fische und Bienen
giftig sein, lähmte aber leider auch meine Nerven in den Beinen, aber
auch Armen. Hinzu
kamen diverse andere Dinge, die zu einem Überlaufeffekt führten und
eine ganz unspezifische Symptomatk hervorriefen, die kein Arzt einordnen
konnte. Über viele, viele Jahre war eine chronische Erkrankung
entstanden, die es nun zu heilen galt. Schulmedizinisch
galt ich als "austherapiert", wie man es so schön nennt. Dann steht man
plötzlich auf der Straße und denkt: "Und nun? Das kann doch jetzt noch
nicht alles gewesen sein?". Jetzt,
nach vielen Jahren des Selbststudiums, habe ich die vielen Gründe
meiner Erkrankung entdeckt: Mein Mund war voller Amalgamfüllungen
(10 Stck.), der Darm funktionierte nicht mehr, ich hatte
Nahrungsmittelunverträglichkeiten auf Ei, Milch, glutenhaltiges Getreide
wie Weizen, Hafer, Gerste, Kamut, Triticale, Dinkel, Roggen, aber auch
Senf, Soja und Fruchtzucker gehörten dazu. Heutzutage
geht es mir sehr gut. Meine Darmsanierung hat über drei Jahre gedauert
und dauert noch immer an. Mein Darm war durch die vielen
Antibiotikagaben in meiner Kindheit und Jugend so geschädigt
worden, dass auf dieser Grundlage keine normalen Körperfunktionen mehr
möglich waren. Man
stelle sich vor, dass ein chronisch entzündeter Darm z.B. gar keine
Nährstoffe mehr aufnehmen kann und der Tryptophan- und Serotoninhaushalt
durch die Fruchtzucker-Malabsorption absolut gestört ist. Es kommt zu
starken Blähungen, Verdauungsstörungen, Durchfällen, aber auch
Depressionen, die unbehandelbar scheinen. Gluten (Klebereiweiß im
Getreide) kann z.B. die Nerven angreifen, wobei der Pathomechanismus
schulmedizinisch noch nicht eindeutig geklärt ist. Es gibt
beispielsweise eine so genannte Glutenataxie (Gangstörung durch Gluten). Es
ist nie ein Grund allein, warum ein Mensch chronisch krank wird. Immer
greifen verschiedenste Mechanismen ineinander wie Zahnräder und
verdoppeln nicht nur die Probleme sondern potenzieren sie am Ende sogar. Zahnstörfelder
spielten eine genauso große Rolle wie die Ernährung und
der Schlafplatz. Elektrosmog, Impfungen, alte Infekte z.B. mit EBV usw.
Versuchen Sie nicht, für Ihre Erkrankung nur einen Übeltäter dingfest zu
machen, es ist nie einer allein.
"Verliebt, verlobt, vergiftet" Das Buch von Alexa Nietfeld
Eine wahre Geschichte, die das Leben schrieb Erleben
Sie eine wahre Krankengeschichte hautnah. Alexa Nietfeld, damals noch
Maschinenführerin in einer Druckerei, wurde über mehrere Jahre langsam
chronisch krank, bis die Beschwerden dann 1994 "pünktlich" zu ihrer
Hochzeit den Höhepunkt erreichten und sie somit am schönesten Tag ihres
Lebens in den Rollstuhl zwangen.
Das
Absagen der Feierlichkeiten war nicht mehr möglich und so beschloss das
frisch gebackene Paar, die Hochzeit trotzdem durchzuführen. Die
Schulmedizin war ratlos, ließ Frau Nietfeld - damals erst 23 Jahre alt
-, aber trotzdem in eine Spezialklinik einweisen, wo sie dann nicht nur
die Hochzeitsnacht allein verbringen musste.
Nach
vier Wochen aus dem Krankenhaus ohne Diagnose entlassen, wanderte sie
von Arzt zu Arzt, bis Sie nach über einem Jahr endlich einen Therapeuten
fand, der ihr helfen konnte.
Dieser
Arzt war ein Arzt für Naturheilkunde und wusste die vielfäligen
Beschwerden von Alexa Nietfeld sofort einzuordnen. Damals noch völlig
schulmedizinisch orientiert, begab sie sich nun ganz und gar in diese
für sie neue Form der Medizin, die nun ihren gesamten Körper mit
einbezog.
Lassen
Sie sich entführen in eine packende Geschichte voller Leid, Hass und
Hoffnungslosigkeit, aber auch voller Liebe und Leidenschaft, bis
zur Neuorientierung und Heilung.
Heute
ist Frau Nietfeld selbst Heilpraktikerin und in eigener Praxis in
Bremervörde tätig. Dr. Braun-von Gladiß hielt damals mehrere Vorträge
zur Eröffnung ihrer Praxis. Für sein Engagement ist sie ihm auch heute
noch sehr dankbar. Sie haben sich viele Jahre gegenseitig unterstützt,
doch irgendwann kommt die Zeit, wo Schüler und Lehrer sich trennen
müssen. Man kann nie jemanden überholen, wenn man nur in dessen
Fußstapfen tritt (chin. Sprichwort).
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| 1. Leseprobe | | Heute,
also am Samstag, dem 2. September, sollte die kirchliche Trauung sein.
Ganz früh am Morgen fuhren meine Eltern mit meinem Mann und mir in die
Stadt, um die Blumen für das Auto und für mich abzuholen. Außerdem
musste ich ja noch zum Friseur, um meine – damals noch sehr langen Haare
– hochstecken zu lassen. Das war vielleicht eine Prozedur, für
jemanden, der sich eigentlich nur miserabel fühlt. Mein Vater stellte
seinen neuen Mercedes mitten in die Fußgängerzone der Stadt, direkt vor
den Friseurladen, damit ich nicht so weit laufen muss. Die Friseurin
hatte mir genau 72 Nadeln in die Haare gesteckt.
Als ich wieder
raus kam, stand ein Polizist neben meinem Vater und ich dachte: ?Oh
nein, jetzt dürfen wir auch noch Strafe zahlen?. Aber nichts von
alledem. Der Polizist war ein Bekannter meiner Mutter, und er kannte
meine dumme Geschichte schon, weil Mutti sie ihm erzählt hatte. So hielt
er uns den Rücken frei, damit wir ungestört dort parken konnten. Das
fand ich ganz lieb von ihm. Die Polizei – dein Freund und Helfer.
Manchmal ist da was dran. Das war an diesem Tag dann für mich auch das
einzige erfreuliche Ereignis, das muss ich ehrlich zugeben. Schon am
Morgen dachte ich nur: ?Hoffentlich ist die Hochzeit bald vorbei?. Als
wir dann gegen Mittag wieder zu Hause waren, ging es zu meiner Oma, die
nur zwei Häuser von meinen Eltern entfernt wohnt. Wir aßen dort zu
Mittag. Ich glaube es war Suppe oder so. Nicht mal daran konnte ich mich
noch erinnern. Alles in diesen Tagen ging irgendwie so spurlos an mir
vorbei. Das Essen fiel mir wieder sehr schwer, daran erinnere ich mich
noch gut.
Als wir gerade mit dem Essen fertig waren und wieder zu
meinem Elternhaus gingen, wurde ich wieder von meinem Mann gestützt,
denn mittlerweile hatte sich wohl durch die Aufregung vor der
bevorstehenden kirchlichen Trauung bei mir nervlich so dermaßen in
meinen Beinen bemerkbar gemacht, dass ich froh war, als ich sah, dass
unser Kumpel den Rollstuhl schon auf dem Hof stehen hatte. Ich setzte
mich sofort hinein und sah dem bevorstehenden anstrengenden Tag bzw.
Abend etwas gelassener entgegen, weil ich so etwas mobiler war als auf
meinen eigenen Beinen. | Der
Fotograf war auch schon da zu dieser Zeit und einen Augenblick später
kam mein neuer Hausarzt, Dr. K., der mich noch schnell mit ein paar
Spritzen versorgte, damit ich etwas weniger Schmerzen habe, bis die
Feier vorbei ist. Mein Arzt, meine Mutter und ich gingen zusammen in das
Zimmer meines Bruders, denn für die Spritzen musste ich ja mein
schweres Brautkleid anheben, was mir alleine unmöglich schien. Indessen
raste mein kleiner Bruder mit meinem Rollstuhl durch die Wohnung und
fand das äußerst spaßig. Bei dieser Gelegenheit stellten wir mit
Bedauern fest, dass die Wohnung meiner Eltern alles andere als
behindertengerecht ist. Die Türen und der Flur waren viel zu eng, als
dass man mit dem Rollstuhl ohne Hilfe hätte dort durchfahren können.
Wenn man gesund ist, macht man sich über solche baulichen Geschichten
nicht so viel Gedanken, doch wenn es dann plötzlich so weit ist, werden
einem solche Dinge plötzlich bewusst. Ja, der Fotograf und mein Mann
warteten schon ungeduldig auf mich im Garten. Die Kinder des Hausarztes
meiner Mutter waren jetzt auch angekommen, denn sie sollten bei uns
Blumen streuen und natürlich mit auf die Fotos.
Ich saß die ganze
Zeit im Rollstuhl beim Fotografieren. Der Fotograf hat die Bilder ganz
geschickt gemacht, damit man den Stuhl später nicht sieht. Bis auf ein
paar Bilder, wo er mich ganz bewusst mit dem Stuhl fotografiert hatte.
Er sagte zu mir: „Dann hast du was zu lachen, wenn du aus dem Ding
wieder raus bist und dir die Fotos wieder ansiehst“. Heute bin ich froh
darüber, noch Bilder davon zu haben, wie er damals prophezeit hatte. Er
erzählte mir davon, als er mal einen Bandscheibenvorfall hatte und
dadurch auch solche komischen Beschwerden in den Beinen. Und so lange
noch was weh tut, meinte er, wäre auch noch was da. Er hätte damals auch
Lähmungen gehabt und der Dr. K. hatte ihm sehr gut geholfen. Da war ich
ein wenig beruhigt. Jedenfalls für einen Moment. Doch immer, wenn die
Beine wieder so schmerzten und mein ganzer Körper zuckte, weil mich
wieder solche schmerzhaften Blitze durchzuckten, bekam ich wieder
Zweifel, ob denn wirklich alles wieder gut werden würde. Und dieses
Zucken wurde immer schlimmer. |
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| Die
Hochzeitsfeier war für mich ganz schrecklich, obwohl die Medikamente
meines Arztes wohl ziemlich stark waren, vernebelten sie mir doch nur
die Sinne, statt die Schmerzen zu lindern. In den letzten Tagen hatte
ich schon so viele verschiedene Mittel bekommen, von Kortison in hohen
Dosen, bis zu Muskelrelaxantien, die mir auch nicht halfen.
Es
wurde jetzt langsam Zeit in unsere Dorfkirche zu fahren. Als wir dort
ankamen, standen vor dem Lebensmittelladen gegenüber eine Menge Leute,
die ich kannte. Sie waren nicht eingeladen, sondern schauten nur der
Neugier halber zu. Als ich aus dem Mercedes meines Vaters „gezogen“
wurde, um mich dann in den Rollstuhl zu verfrachten, schauten die
Menschen ganz entsetzt.
Als ich dann den Weg zum Eingang
geschoben wurde, standen dort die geladenen Gäste samt Familie und
schauten miteinander drein, als würde gerade ein Sarg an ihnen vorbei
geschoben. Meine Schwiegermutter schien sogar ein paar Tränen zu
vergießen. War es aus Mitgefühl, weil es mir sichtlich so schlecht ging
oder machte sie sich einfach nur Sorgen um die Zukunft ihres Sohnes, die
ja mit einer behinderten Frau nicht so rosig ausschaut. Ich wusste es
nicht. Wir wussten ja alle nicht, was mit mir noch alles geschehen
würde. Ich dachte schon seit Tagen nur noch daran, dass ich sofort nach
der Trauung am nächsten Tag in die Klinik muss. Die Kirche war mir
bekannt, ebenso der Pastor, der die Trauung vollziehen sollte. Ich stand
nun direkt vor der Kirchentür und der Pastor begrüßte uns. Leider
hatten mich seine Worte zu Anfang der Zeremonie sehr getroffen, denn er
meinte, ob das mit dem Rollstuhl wirklich nötig getan hätte und ob ich
mich denn nicht ein wenig anstellen würde. So dem Sinn nach sagte er es.
Und diese Worte aus dem Mund eines Pastors... Das hatte mich schon
schwer erschüttert, da mein Selbstbewusstsein ohnehin schon auf dem
Nullpunkt war. Ich wurde von meinem Mann vor den Altar geschoben und von
da an ließ ich alles über mich ergehen, so als ginge es gar nicht um
mich. Die ganze Zeit versuchte ich mich nur ganz angestrengt darauf zu
konzentrieren, dass ich ja meinen Einsatz nicht verpasse, denn ich
musste ja noch etwas sagen – Ja, mit Gottes Hilfe! Hilfe? Gott? Ja wo
ist er denn jetzt? Warum lässt er mich hier so jämmerlich herumsitzen?
Hat er denn gar kein Mitleid mit mir? | An
den eigentlichen Sinn meiner Krankheit dachte ich damals noch nicht –
geschweige denn, dass sie überhaupt einen Sinn haben könnte und wohin
sie mich dann später letztendlich führen sollte. Aber dazu später mehr.
Nachdem
wir dann den Segen bekommen hatten, klang eine wunderschöne Stimme aus
dem oberen Teil der Kirche zu uns herunter. Meine Eltern hatten uns eine
Sängerin geschenkt, die für uns singen sollte. Sie sang „AVE VERUM“.
Zuerst dachte ich, es hätte jemand eine Platte aufgelegt. Über dieses
Geschenk konnte ich mich gar nicht so richtig freuen - schade. Schon im
Inneren der Kirche hörten wir, dass es draußen plötzlich ganz stark
anfing zu regnen und ich dachte noch so bei mir: „Das Wetter passt zu
meiner Stimmung und der ganzen Situation hier“. An diesem Tag ging alles
Schlag auf Schlag und war für mich eine irrsinnige Quälerei. Sofort
nach der Kirche fuhren wir zu einem etwas entfernteren Gasthof, um zu
feiern. Was sollten wir bloß feiern? Gab es denn etwas zu feiern? Das
war doch alles bloß für die anderen Leute. Hauptsache die haben ihren
Spaß. Ich hatte jedenfalls keinen. Die Feier war dann doch noch ganz
lustig. Wenigstens war ich in der glücklichen Lage, der ganzen Feier mal
intensiv beizuwohnen. Sonst müssen Bräute immer den ganzen Abend mit
irgendwelchen Leuten Pflichttänze absolvieren und das blieb mir ja Gott
sei Dank erspart. Der Gang zur Toilette war für mich äußerst unangenehm,
weil ich ohne Hilfe weder in die enge Kabine kam noch mein Brautkleid
hochnehmen konnte. Gegessen hatte ich an dem Abend nicht besonders viel,
wie immer. Alkohol trinken durfte ich auch nicht, weil ich so viele
Medikamente intus hatte. Dabei hätte ich mir so gerne einen gebrannt, um
mit der Situation besser fertig zu werden. Auch wenn es nachher
wirklich noch lustig war und sich alle so rührend um mich kümmerten, war
ich dann doch froh so gegen halb vier morgens nach Hause zu kommen.
Mein Mann pulte mir die über 70 Nadeln aus den Haaren und wir konnten
endlich schlafen. Am nächsten Morgen mussten wir ja wieder früh
aufstehen, weil ich dann in die Klinik nach Bremerhaven sollte. Obwohl
ich Angst davor hatte, freute ich mich doch irgendwie, weil ich in
diesem Klinikaufenthalt etwas sah, was mir Hoffnung gab. |
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| 2. Leseprobe | | | Gefühle
Gesundheitlich
ging es mir trotz einiger kleiner Rückschläge, die wohl zum größten
Teil auf „Erstverschlimmerungen“ durch meine Behandlungen zurückzuführen
waren, viel besser als noch vor einigen Wochen. Die naturheilkundliche
Therapie zeigte sichtlich Erfolg. War ich doch auch schon viel aktiver
geworden und blickte jetzt voller Zuversicht in die Zukunft. Auch meine
Gesichtsfarbe hatte sich verschönert. Na klar hatte ich noch Pickel im
Gesicht, doch die störten mich nicht, weil sie für mich zu einem Symbol
geworden waren. Sie zeigten mir, dass die Entgiftung meines Körpers in
vollem Gange war. Man kann schon fast sagen, ich freute mich über jeden
neuen Pickel, der hinzu kam. Einmal waren es ganz besonders viele Pickel
und ich fragte meinen Doc, ob das vielleicht von den
Vitamin-B-Tabletten kommen würde, die ich von ihm verschrieben bekam. Er
verschrieb mir ein neues Präparat und ich fragte ihn, ob ich davon noch
mehr Pickel bekommen würde. Der Doc saß gerade an seinem Schreibtisch
im Vorzimmer vor seinem Computer, an dem er immer nach der Sprechstunde
arbeitete. Er schaute von seiner Arbeit auf, blickte mich lächelnd über
den Rand seiner Brille an und meinte zu mir: „Das ist eigentlich nicht
mein Ziel“. Ich muss mich wohl sehr komisch ausgedrückt haben, denn alle
lachten über mich. Im Nachhinein fand ich meine Ausdrucksweise dann
auch komisch und stimmte in das allgemeine Gelächter mit ein. In der
Praxis herrschte eine wunderbare Stimmung und ich freute mich immer,
wenn ich „meine Leute“ wieder sah. Alle kümmerten sich ganz rührend um
mich. Es gab noch viele schöne Szenen in jener Zeit, an die ich mich
immer wieder gerne mit einem Lächeln auf den Lippen zurückerinnere. So
war es zum Beispiel einmal so, dass ich mal wieder eine
Bioresonanzbehandlung bekam, bei der ich mich total zum Affen machen
musste. Man muss sich das so vorstellen. Ich saß im Zimmer auf einem
etwas höheren Holzpodest, auf dem ein Tisch mit dem Bioresonanzgerät und
ein Holzstuhl stand. Dr. Braun kam herein, um die Behandlung
einzuleiten, und legte mir ein paar merkwürdige Gurte an, an denen Kabel
hingen. Außerdem musste ich eine Hand und einen nackten Fuß auf eine
Messingplatte legen. Er tüdelte so einige Zeit an mir herum und heraus
kam, dass ich jetzt mit dem blanken Hintern auf einer Messingplatte saß.
Den linken Fuß auf einem Hocker, auf dem die eine Messingplatte lag,
und die rechte Hand auf meinem rechten Bein, auf der die andere
Messingplatte lag. | Um
den Kopf herum einen schwarzen Gurt, an dem die Kabel so hoch standen,
als würde ich einen Indianerkopfschmuck tragen, und im Nacken noch ein
weiteres flaches Teil, das mir heruntergerutscht wäre, wenn ich nicht
meinen Kopf nach vorne geneigt hätte, als würde mir jemand in den Nacken
hauen wollen. Und zu guter Letzt musste ich mit einen längeren Stab,
der vorne eine kleine Verdickung aufwies, wie ein kleiner Hammer,
während der Behandlungszeit ständig vom Damm über die Scheide, dann zu
meinem Bauchnabel hoch, um ihn herum und wieder zurück streichen. Da saß
ich nun mit meinem Talent. Ich sah wohl sehr komisch aus, denn jeder,
der das Zimmer betrat, um etwas zu holen, lachte erst mal über mich.
Auch die Frau von Dr. Braun meinte, ich würde aussehen wie ein Indianer.
Als das Gerät endlich piepte und damit anzeigte, dass ich fertig war,
war ich doch schon sehr froh, nicht mehr so sitzen zu müssen. Ich
wusste, dass mir diese Art der Therapie half und daher sah ich großzügig
über diese Peinlichkeiten hinweg.
Hin und wieder hatte auch mein
Doktor mal Urlaub. Das waren immer die schlimmsten Tage für mich, weil
ich gerade dann meistens Probleme bekam und niemand sonst für mich da
war. Gehen Sie mal mit meiner Krankheit im Notdienst zu einem Arzt und
erzählen ihm, was Sie für Beschwerden haben. Der würde Ihnen nur eine
Beruhigungsspritze geben und Sie für verrückt erklären, weil er keine
Ahnung von der Problematik hat. Jede Art von chemischen Arzneien rissen
mich immer von der Symptomatik noch weiter runter statt mir zu helfen.
Es ist ein so grausiges Gefühl, wenn man so ganz auf sich allein
gestellt ist. Jeder andere kann in einem Notfall zu einem normalen Arzt
oder ins Krankenhaus, nur ich nicht. Man liegt zu Hause und muss einfach
nur warten, dass es von alleine wieder besser wird. Man hat dann auch
einfach keine Lust, dem Arzt zu erklären, worum es eigentlich geht. Er
würde es doch nicht verstehen. Diese Aussichtslosigkeit, von niemandem
Hilfe erwarten zu können, kann einen ganz schön fertig machen.
So
kam es dann auch einmal, dass mein Doktor drei Wochen weg war. Das war
bisher die längste Zeit, seit ich bei ihm in Behandlung war. Ich gönnte
ihm diesen Urlaub von ganzem Herzen und schenkte ihm zum Abschied ein
kleines Märchenbuch („Die Farben der Wirklichkeit“) und schrieb ihm
einen lieben Gruß dazu, mit dem Vermerk, |
dass
er sich seinen Urlaub wirklich verdient hätte, und er solle gesund
wieder kommen. Das meinte ich auch genau so wie ich es schrieb. So viel
hatte er schon für mich getan und war immer für mich da. Dieses Buch gab
ich ihm nicht persönlich, sondern ließ es von seinen Mitarbeiterinnen
zwischen seine Post legen, damit er inmitten der ganzen Arbeit mal kurz
einen schönen Augenblick der Freude genießen kann.
Die Zeit ohne
ihn kam mir wie eine Ewigkeit vor, denn ich bekam gleich am Anfang
seines Urlaubs rasende Kopfschmerzen. Jeden Tag Kopfschmerzen. Und das
über drei Wochen. Ein Schmerzmittel kam für mich nicht in Frage, weil
ich es nicht vertrug. Also was sollte ich anderes machen, als auf die
Rückkehr meines Arztes zu warten. Drei lange Wochen! Ich fieberte schon
dem Tag seiner Rückkehr entgegen, wie jemand, der schon seit Tagen
durstend durch die Wüste rennt. An einem Samstag kam er zurück und war
ab da auch schon sofort wieder telefonisch zu erreichen. Das hatte ich
sonst auch noch bei keinem Arzt erlebt. Natürlich rief ich sofort bei
ihm an und berichtete meine Situation. Prompt bekam ich am folgenden
Montag gleich morgens um 8 Uhr einen Termin bei ihm. Weil er ja so weit
von uns entfernt wohnte, musste ich an diesem Tag schon um 5 Uhr
aufstehen, aber das machte mir gar nichts aus. Die Aussicht darauf,
meine Kopfschmerzen endlich loszuwerden, war für mich in dem Moment das
Wichtigste. Und wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich mich auch sehr
darauf gefreut meinen Doc endlich wiederzusehen. Er war mir in den
letzten Wochen sehr ans Herz gewachsen. Wir hatten schon so viel
gemeinsam erlebt und durchgemacht. Er begleitete jeden meiner
Fortschritte, hörte sich immer geduldig meine Probleme an und half mir
auch sonst, wo er nur konnte. Und dann diese finanziellen
Vergünstigungen noch dazu, die es mir erst ermöglichten, die Behandlung
bei ihm fortzusetzen. Es lief alles wunderbar. Wobei ich aber sagen
muss, das mit den Vergünstigungen tat mir nur oberflächlich gut. Ich
meine damit, ich hatte immer irgendwie das Gefühl mit durchgezogen zu
werden. Oder besser gesagt, wenn ich dem Doc etwas hätte zurückgeben
können, hätte ich mich besser gefühlt. So war ich immer irgendwie dazu
verdammt, alles zu nehmen, aber niemals zu geben. Ich war immer so
glücklich und dankbar für alles was er für mich tat, | dass
ich ihm am liebsten die ganze Welt gekauft hätte, wenn ich die Mittel
dazu gehabt hätte. Ach was, mit Geld kann man so was gar nicht bezahlen.
Der folgende, für mich wichtige Tag, an dem der Doktor zurückkam, ist
ein gutes Beispiel, um meine Gefühle zu beschreiben.
Es war also
Montagmorgen, 8 Uhr. Ich war in der Praxis von Dr. Braun und wurde nach
kurzer Wartezeit in einen Behandlungsraum geführt. Noch hatte ich den
Doc nicht gesehen und erwartete ihn voller Freude auf das Wiedersehen.
Die Kopfschmerzen waren noch da, aber in diesem Moment lange nicht mehr
so präsent für mich, weil meine Konzentration zur Zeit woanders lag. Ich
schaute mich noch eine Weile in dem Raum um, in dem ich noch nie zuvor
war. Es stand eine Liege darin und ein Stuhl, wie man ihn von einem
Gynäkologen her kannte. Ich fragte mich noch, was der Arzt wohl heute
mit mir vorhatte und wozu er denn diesen Stuhl brauchte. Für mich stand
fest, dass ich mich niemals mit entblößtem Unterleib vor ihm auf diesen
Stuhl setzen würde. Das waren noch so meine Gedanken, bevor die Tür
geöffnet wurde und Dr. Braun eintrat.
Er sah gut erholt aus.
Braungebrannt und mit einem charmanten Lächeln auf den Lippen. Von oben
bis unten schaute ich ihn an und bemerkte, dass er heute zum ersten Mal
ganz anders aussah als sonst. Er trug eine graue Stoffhose und ein
weißes Hemd. Sogar eine Krawatte hatte er sich umgebunden. Wie
außergewöhnlich für ihn. Sonst trug er immer Jeans und irgendein Hemd.
Wie ein Arzt sah er nie aus, das fand ich gut. Aber heute... Vor
Erstaunen sagte ich sofort zu ihm: „Hey, heute mal mit Schlips?“. „Ja“,
erwiderte er, „das habe ich nur für Sie gemacht“. Ob er das ernst
meinte? Voller Liebe blickte ich ihn an. Die Hose war wohl nicht mehr
die modernste und auch der Schlips war in meinen Augen grottenhässlich.
Außerdem saß er ganz schief, aber ich fand er sah damit gut aus. Auch
die Bemerkung dazu fand, ich süß. Ich freute mich so sehr, dass er
wieder da war. Nicht nur, weil ich ihn für meine Krankheit brauchte -
nein. Auch so war ich immer gerne mit ihm zusammen und redete gerne mit
ihm. Auch gönnte ich ihm seine Erfolge von ganzem Herzen. Manchmal
erzählte er, wo er schon wieder einen Vortrag hielt. Dann hörte ich ihm
so gerne zu, |
| | | weil
ich seine Freude mitfühlen konnte. Seine Freude war auch meine Freude.
Wenn er sich mal über irgend etwas geärgert hatte, konnte ich ihm aber
genauso nachfühlen. Ich könnte es nicht ertragen, wenn ihm mal jemand
etwas anhaben wollte. Irgendwie hatte ich in den letzten Monaten das
Gefühl, ich wäre durch ein unsichtbares Band mit ihm verbunden. Ich
konnte mir nicht vorstellen, dass es ihm ebenso erging, und daher hielt
ich meinen Mund und erzählte ihm nichts davon. Aber ich denke, er hatte
auch so bemerkt, wie gern ich ihn mochte.
Na jedenfalls erzählte
ich ihm nun von meinen wochenlangen Kopfschmerzen, woraufhin er die
Therapie einleitete. Er wolle mehrere Ozontherapien bei mir machen und
erklärte mir, wie alles vor sich geht. Er müsste mir etwas mehr Blut
abnehmen, würde dann Ozon hineingeben und es mir dann später wieder
verabreichen. Wow, dachte ich. Das wird aber bestimmt teuer, wenn er so
viel Aufwand betreiben muss. Genau in diesem Moment nahm der Doc meine
Hand und sagte zu mir: „Sie brauchen keine Angst zu haben. Sie bezahlen
wieder nur Ihre 30,– DM, wie immer“. Woher wusste er, was ich denke? Da
hatten wir es schon wieder. Immer weiß er, was ich denke. Kann man vor
ihm überhaupt etwas verstecken? Ich lag schon für die Transfusion auf
der Liege bereit, als ich ihm meinen dankbarsten Blick schenkte. Ich
weiß nicht, ob Sie es nachvollziehen können, wie ich mich in diesem
Moment gefühlt habe. Innerlich hatte ich ein so starkes Gefühl in diesem
Moment, dass von Liebe, Dankbarkeit und Zuversicht geprägt war. Und ich
fühlte, als ich ihm diesen dankbaren Blick schenkte, dass ich in diesem
Moment alle meine Gefühle in meinen Augen zum Ausdruck bringen konnte.
Eine Art inneres Lächeln, welches man nur über die Augen ausstrahlen
kann.
Er nahm mir das Blut für die Therapie ab und ließ es in
eine Infusionsflasche laufen. Schon das Finden einer Vene war ein sehr
großes Problem, wie sich herausstellte. Die Flasche war mit Blut gefüllt
und Dr. Braun ging in das Nachbarzimmer, um das Ozon zu holen. Er
spritzte das Gas in die Flasche hinein und fing an, das Ganze auf seine
Art zu schütteln. Bei ihm hatten diese Bewegungen irgendwie etwas
Rituelles an sich. Seine Bewegungen waren so harmonisch und fließend, | dass
man merken konnte, er ist jetzt hochkonzentriert und nimmt die Sache
sehr ernst. Ich kannte seinen Blick in diesen Momenten und wusste dann
immer genau: „Jetzt musst du deine Klappe halten, sonst störst du ihn
bei der Arbeit“.
Diese Art der Therapie bekam ich jetzt noch
mehrmals, aber ich muss sagen, eigentlich half sie schon nach dem ersten
Mal. Die Kopfschmerzen waren wie weggeblasen, und auch sonst fühlte ich
mich viel fitter als vorher.
Als ich mit der Ozontherapie durch
war, sollte ich noch ein paar Infusionen bekommen. Aus diesem Grund
bekam ich vom Arzt ein Rezept für das Infusionsgeschirr und die Mittel,
die ich bekommen sollte. Bestellt wurden sie in einer nahegelegenen
Apotheke, die anscheinend damit schon vertraut waren. So holte ich dann
alles, was wir brauchten, von dort ab und nahm es mit in die Praxis. Ich
weiß nicht mehr ganz genau, aber ich glaube, ich musste zweimal die
Woche zur Infusion von da an. Zur Zeitüberbrückung sollte ich mir etwas
zum Lesen mitbringen, weil diese Infusionen sehr lange durchlaufen. Mir
wurde erzählt, dass mir diese Infusionen helfen würden noch gezielter zu
entgiften. Es hieß damals, es wäre ein Chelatbildner darin, der die
Gifte im Körper bindet und über die Nieren ausscheidet. Ständig etwas
Neues, aber ich war immer gerne bereit etwas Neues auszuprobieren. Die
erste Infusion wurde gelegt. Langsam fing ich an meine Witzchen über
seine Künste zu machen. Mir tat es nicht weh, was er tat, und darum war
ich die ganze Zeit sehr amüsiert bei der Sache. Dann sagte der Doc vor
dem nächsten Einstich: „Jetzt grinst die Vene mich wieder so an und
gleich ist sie wieder weg“. Ich meinte scherzhaft zu ihm, nach dem 10.
Einstich würde ich zurückschlagen. Wir lachten beide. Eigentlich sollte
ich ja eine flexible Nadel bekommen, damit ich in der Praxis herumlaufen
konnte, aber das ging leider nicht. Meine Venen waren eine einzige
Katastrophe und so nahmen wir eine andere Nadel, mit der ich allerdings
nicht aufstehen durfte. So lag ich dann also immer stundenlang in einem
Zimmer und las oder hörte Musik mit einem Discman, den mein Bruder mir
für diese Zeit ausgeliehen hatte. Mein „kleines“ Brüderchen ist 11 Jahre
jünger als ich, aber mindestens zwei Köpfe größer. Das nur am Rande. |
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"Ein
Mensch bleibt stehen und schaut zurück und sieht, sein Unglück ist ein
Glück." (Eugen Roth, deutscher Schriftsteller im 19. Jh.)
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